Hell Yess, tatsächlich, ich war auf einem Punk Konzert.
Ich war noch nie auf einem Punk Konzert, nie, nie, niemals - nieeh.
Bis Freitag: am Freitag war es dann soweit: “My Chemical Romance” in der Wiener Stadthalle. Gut Punk ist vielleicht auch ein bisschen übertrieben. Gerappelt voll ist auch was anderes. Gut gefüllt wars allerdings schon. Sehr empfehlenswert für Fast-Klaustrophobe Fast-Punk-Rocker wie mich.
MCR hatte als Support eine mir gänzlich unbekannte Band mit. Nämlich: die “Sinnlose Genusssucht” oder auch “Unbekümmerte Maßlosigkeit”. auf englisch: http://de.wikipedia.org/wiki
Deswegen Punk für die Jungs fällt mir kein treffenderes Wort ein.
Der Leadsänger schaut aus wie eine Mischung aus einem magersüchtigen post-pubertärem Tokio-Hotel-Bill und einem elektisierten Igel. Auf jeden Fall ein Unikum und unverwechselbar, selbst beim emo-einheitslook (den ich weiter unten noch genauer beleuchten werde) sehr speziell und einzigartig.
Geräusch-mässig und ich sag mit Absicht nicht Gesangesmässig: ein Billy Idol in seinen schlechtesten Zeiten gepaart mit der musikalischen Feinfühligkeit von Daniel Kübelböck. Der Gitarrist war ständig damit beschäftigt sich nicht mit seiner Gitarre zu erwürgen und hatte partout keine Zeit um Gitarre zu spielen. Der einzige Lichtblick jetzt im Nachhinein gesehen ist die Bassistin die der Misere wenigstens genug Druck verlieh und die emo-Girlie Menge anheizte.
Wenn die kleinen emo-Mädchen (die buben schaun übrigens “auch” sehr androgyn aus und sind hier bestimmt nicht ausgenommen) nur ein kleines bisschen Ahnung gehabt hätten von was die Band eigentlich singt hätten sie wahrscheinlich nicht so mitgegröhlt und alle Urgrossomas derjenigen hätten sich nicht in ihren Gräbern umgedrehen müssen. Die Band singt nämlich hauptsächlich über das Thema Homosexualität in all ihren ohrenkrebserregenden Ausprägungen. Vielleicht für die jungen Leute ein Thema, für mich eigentlich gänzlich uninteressant.
Also in Summe ein echtes negativ-Highlight: sowas beschissenes (schlechtes) hab ich noch nie gesehen, gehört, gefühlt. unterm strich: zum kotzen, man entschuldige mir bitte derartige Ausdrucksweise an der Stelle. Das musste jetzt raus.
Nichts desto Trotz hat die verrückte Combo die Menge, welche eben hauptsächlich aus androgynen 13 - 17-jährigen bestand, zum rocken gebracht. Der Bassistin und den fliegenden Drumsticks sei Dank.
Dann nach nur minimaler Umbauphase kam der Hauptact: “My Chemical Romance”. In einem Wort “infernal Phänomenal”. Eigentlich hatte ich vermutet das der Gesang “live” nicht so rüberkommt wie auf den Alben.
Denkste, beides nämlich die Instrumente und die “extrem eigenartige” im positivem sinn, Stimme war perfekt.
Alle Hits, wenn man so sagen darf, wurden neuartig interpretiert, live eben. Der Gitarrist ist eine Klasse für sich. Meiner Meinung nach, nach dem Leadsänger, dem Gesicht der Band, der zweitwichtigste Mann bei MCR. In alter Slash-Manier: Headbanging bis kurz vorm Genickbruch und Solis in den Wildesten Höhen. Zum Teil hatte man den Eindruck die Nummern nicht zu erkennen. Zum “Grande Finale” baute sich eine unvergleichliche Spannung auf. In einem Pianosolo zwischen “Teenagers” und “Welcome to the Black Parade” übertrumpfte der Keyboarder sämtliche meiner Erwartungen und erzeugte noch mehr Stimmung als bei: “I don’t love you” wo sämtliche Feuerzeuge und Handys den Bühnenhorizont erleuchteten und gänzlich alle Besucher mitsangen. Mit einer mir ebenfalls neuen Interpretation von “Helena” schloss sich der Kreis und MCR hatte fast zur Gänze ihre beiden Alben runtergespielt. Leider ist das Wort Zugabe offensichtlich bei den “neuen Bands” unbekannt. Wahrscheinlich auch durch den Fact begründet, das MCR am Vortag für die MTV EMA’s in München gerock haben (video weiter unten) , ist die Tatsache durchaus zu verstehen, das dann nichts mehr nachkam.
Um ca. 22:30 war dann eben Schluss und zack-bumm - fahrstuhlmusik rein - licht an - emos raus.
Also alles in Allem: Ein gelungener Abend und die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.
MCR ist auch eine gute Liveband, schön das es sowas noch gibt, heutzutage.
Ein Gesamtkunstwerk: das mit Sicherheit nicht gecasted ist also kein musikalisches Retortenbaby und es funktioniert offensichtlich auch so. Vom Plattencover, zum Albumthema - bis hin zu den Texten und Melodien: “meine chemische romanze” - durchgängig eine sehr charismatische Band: mit dem Potential, noch viel bekannter zu werden.
Warum die allerdings einen so grottenschlechten Support mitbringen wird mir wahrscheinlich immer ein Rätsel bleiben.
update: oder doch nicht: zitat von wikipedia (link oben)Oftmals wird Mindless Self Indulgence als „most famous unfamous band” betitelt, da sie häufig für äußerst populäre und berühmte Bands die Show eröffnen, darunter Marilyn Manson, System Of A Down, Rammstein, Kraftwerk (Band), Korn und weiteren, jedoch selbst der breiten Masse fast völlig unbekannt sind.
update2: die bassistin von MSI ist die Ehefrau vom Leadsänger von MCR, das macht die Sache noch klarer.
MCR bei den MTV EMA’a 2007 mit Teenagers
Direktlink zum Video auf Youtube
Abschliessend noch eine kleine subjektive Feststellung bzw. Klarstellung.
“Emo ist der neue Grunge”. Emo ist eine Jugendbewegung, die Emos sind allgegenwärtig. das wird einem bei so einem Event erst recht bewusst.
Wer nicht weiss was Emos sind -> http://de.wikipedia.org/wiki/Emo
Androgyn lautet das Zauberwort. Die Mädels schaun aus wie Jungs und umgekehrt. karierte Converse Schuhe, viel zuenge Karottenhosen, ein Kapuzenpulli mit Aufdruck ergänzt sich perfekt mit einem Pagenkopf-Haarschnitt, dazu Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern und einem Nietengürtel vielleicht noch den Liedschatten etwas betont und den generellen Taint etwas angeweisst, fertig ist der Grunger bzw. die Grungerin von Heute. Und da sag nochmal jemand: Michael Jackson hätte sich nicht in der Jugend manifestiert.Der Kerl war und ist einfach um mindestens ein Lichtjahr seiner Zeit vorraus.






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