peter.erleshofer.net/faden : immer rot, meistens transparent. selektierte irrelevanz - das weblog von peter erleshofer.
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dinge die man nicht ändern kann

hat meine oma immer gesagt, sollen einen nicht belasten. wie sinnlos es ist sich über sachen aufzuregen welche man selbst nicht in der hand hat, das hat sie mir mit immer wieder gesagt. meine oma ist eine institution, als meinen-guru hab ich sie spasseshalber gerne bezeichnet. sie hat mich geprägt mit ihrer erleshoferschens starrsinnigkeit und mich nichtnur einmal in die richtige richtung gelenkt. einen nicht unwesentlichen teil meiner kindheit hab ich bei ihr verbracht.

was wahrscheinlich auch einen grossteil dieser ganz speziellen bindung ausmacht. Viele leute verstehen das nicht das man zu seiner grossmutter eine solche bindung aufbaut, für mich allerdings hat der begriff grossmutter genau die bedeutung die das wort auch aussagen will. eine grosse mutter, ganz übergeordnet fast unanzweifelbar und weise, natürlich auch nicht fehlerfrei, doch was ist schon fehlerlos auf diesem planeten. ich liebe meine oma, ich werde sie immer lieben sie ist der grösste mensch den es für mich gibt und sie wird es auch immer bleiben, ganz egal was kommen mag. Sonntäglich im zweiwochentakt war ich immer bei ihr, besuchte sie, liess mich bekochen und wir politisierten und diskutierten über gott und die welt. im gegenzug erledigte ich arbeiten an ihrem haus oder im garten welche für sie zu anstrengend ware. oma negierte mich nie, oma nahm alles ernst was ich sagte, selbst an die kleinsten kleinigkeiten konnte sie sich jahre später noch erinnern. ein hirn wie ein elefant. sie war es auch die mich immer wieder aufbaute nebst meinen eltern und freunden wenn wieder irgendetwas um mich herum passierte. sie holte mich gleichzeitig auch immer wieder auf den boden zurück obwohl es ihr selbst vielleicht gerade nich so gut ging. selbstlos, dieses einfache wort, das hab ich von ihr gelernt was das bedeutet. selbst von gemeinen krankheiten wie rheuma gequält und jahrzehntelang cortison einnehmend hat sie ihr leben trotzdem, all ihre pflichten, beneidenswert gemeistert.
nun, leider ist es der oma die letzten vier jahre nichtmehr ganz sogut gegangen. längere aufenthalte im krankenhaus waren die regel. aber wie schon erwähnt die erleshofersche starrsinnigkeit hat ihren teil zur verharmlosung ihrerseits beigetragen. sobald sie auch nur ein bisschen energie hatte wollte sie zurück in ihr häuschen, ihr trautes heim und wieder ganz alleine ihren haushalt und ihr tägliches leben zu meistern. nochnicht erwähnt hab ich den beneidenswerten stolz dieser/meiner lieblings-frau. auch wenn es ihr nicht ganz sogut ging sie zeigte es kaum. wenn man nicht die kleinen zeichen zu lesen wusste. überhaupt wollte sie niemandem zur last fallen, ich schätze das ist auch eine erleshofersche eigenart. lieber allein und unabhängig als abhängig. sein glück nicht von anderen menschen abhängig zu machen das ist eine kunst, ich kann das nicht, ich übe aber es wird noch lange dauern und erst die erfahrung wird das bei mir wirklich so sein lassen. früher beim canaster spielen hat sie mich manchmal gewinnen lassen, das weiss ich noch ganz genau und so getan als ob ich wirklich eine change gehabt hätte. genau, früher, ich war vielleicht sieben jahre alt, da hab ich meine ferien bei oma verbracht. im gegensatz zu wels ist schwanenstadt wirklich ein nest, eine kleinstadt und oma wohnt sozusagen im bezirk schwanenstadt - land einem kleinen ort der niederthalheim heisst was witzigerweise genau so wie das thalheim in dem ich jetzt wohne heisst. was ich sagen will: mein sinn für die natur, der ganze bezug, alles kommt bestimmt und mich sicherheit aus dieser zeit.
opa nahm mich damals mit zum holzarbeiten in den wald, für opa gabs nichts schöneres als dort etwas sinnvolles zu machen und für mich als kleinen bub gabs damals auch nix aufregenderes als bei ihm zu sein und mitzuhelfen, selbst wenn das jetzt im nachhinein sicher keine wahnsinnig schweren aufgaben ware, es hatte schon was dann im winter mit dem holz zu heizen welches wir gemeinsam in zeitung einwickelten. gequält von einem schlechten herzen hat er das später trotzdem immer wieder probiert, er wollte sich das nicht nehmen lassen, leider hat sein herz dann nichtmehr mitgespielt und er ist zu silvester in der wohnzimmercaoch eingeschlafen. er hätte sich das auch so gewünscht, genau wie oma wollte er nie wem zur last fallen.
gestern hat mich irgendetwas zu meinen eltern gezogen, fast magnetisch bin ich unangemeldet zu ihnen rüber marschiert weil ich meinem dad was auf seinem computer richten wollte, was ich schon längst machen wollte. sie waren auch zuhause was mir seltsamerweise ganz intuitiv im vorhinein klar war. dad hat mir noch von seinen plänen für den abend berichtet und mir einen kaffee gebracht als sein telefon läutete und seine schwester, meine tante christl, dran war. dad is dann zum telefonieren in mein altes kinderzimmer gegangen, ich hab aber trotzdem mitgehört und mein blick in den computerbildschirm wurde immer glasiger und glasiger. pflichtbewusst hab ich trotzdem weitergemacht und verucht hier nichts falsches zu interpretieren und abzuwarten was es denn neues gab. vati erzählte mir schon am vortag das er und inge vorhatten oma zu besuchen und bei ihrem haus den garten zu mähen. er hat dann auch angerufen und gesagt das es oma echt nicht gut geht, aber wie schon gesagt oma hatte in den letzten paar jahren immer mehrmals krankenhausaufenthalte und so machte ich mir eigentlich nicht allzugrosse sorgen, omas gesetz beachtend und feststellend das sämliche sorgen auf der erde eigentlich sinnfrei sind, dachte ich schwerpunktmässig an alles andere. das gespräch von meinem vater und seiner schwester mithörend, allerdings lies mich das alles vergessen und einen ärger in mir aufsteigen,eine unerklärliche wut, undefinierbar auf wen und was und mein blick in den bildschirm wurde noch glasiger. nach unendlich langen zehn minuten war das telefonat endlich beendet und dad kam wieder aus dem kinderzimmer heraus. er erzählte uns, inge meiner stiefmutter und mir das christl bei oma gewesen war und der arzt meinte das es durchaus sein kann das oma die nacht nicht überleben würde. christl überlegte hin und her, ob sie zu ihr fahren sollte, entschied sich jedoch dagegen, weil oma mit keinem besuch mehr freude hatte. diese tatsache, bestätigten auch meine eltern die ja auch bei ihr zu besuch waren. eigentlich wollte sie niemanden mehr sehen, das erste mal in ihrem leben nicht mehr herr oder frau ihrer sinne und wahrscheinlich die lezten züge des erleshoferschen stolz zelebrierend war sie leider nichtmehr aufnahmefähig für ihre besucher. ich masse mir an das zu verstehen, wahrscheinlich kann man das nicht verstehen, auf jeden fall nie ganz und vielleicht auch nichtmal ansatzweise. fast wütend über die aussage des arztes hab ich sämtliche ärztliche koripäen in frage gestellt und kritisiert, alles besser gewusst, mein vater jedoch hat mich mit einem einzigen satz wieder auf den boden zurückgeholt. er hat nur gesagt, ja du hast recht, wenn du recht haben willst hast du recht, glaubst das es irgendwas ändert. anschliessend bin ich dann noch unendlich viele runden um den block gelaufen um meinen kopf freizukriegen, das hat aber alles nichts geholfen und auch die dritte zigarette schmeckte ganz anders als die millionen davor. irgendetwas hatte sich geändert.
und schön langsam wirds mir auch wirklich bewusst, sowas will man ja nicht wahrhaben. doch als mich vati heut morgen wirklich kontaktierte, ich hatte gebetet das das nicht passiert und ich wiederwillig abhob, sagte er nur: der arzt hatte recht: die oma hats jetzt überstanden.
was sagt man in solchen momenten, am besten garnichts. trotzdem hab ich dann nach zwei stunden arbeit und versuchter abenkung den weg von der arbeit nach hause suchen müssen. ich muss jetzt weinen und mich erinnern und mir vorstellen das sie jetzt frei ist, nichtmehr an einen körper gebunden und wieder mit opa vereint. ganz schmerzfrei und erlöst. überhaut passt das wort hier perfekt: erlösung, ich hoff nicht das das anmassend ist aber ich traue mir zu sagen oma hätte es so gewollt, bevor sie wiederwillig wem zur last fällt.
es ist alles noch ganz frisch, hochaktuell und wahrscheinlich ists mir noch immer nicht ganz bewusst, das ich oma in diesem leben wohl nichtmehr lebendig sehen werde, ich hoffe halt, nein ich bin überzeugt das sie trotzdem bei mir ist, auch in mir, durch mich sozusagen wird sie weiterleben in erinnerungen und gedanken. auch meine kinder und kindeskinder werden irgendwann mal omas erfahrung und ihre regeln ihre gesetzte durch mich vermittelt bekommen.
oma ich liebe dich, ich hab dich immer geliebt. du bist mein lieblingsmensch und du wirst es auch immer bleiben. ich vermisse dich und gleichzeitig lebst du durch uns weiter, genau wie opa niemals aus den erinnerungen verschwinden wird.
ich kann es nicht ändern, den lauf der dinge. ich kann nur danke sagen: danke das es dich gab. du bist und warst die beste für mich. Du hast alles richtig gemacht.

sag bitte mama und opa einen schönen gruss von mir, ich liebe euch, ihr seid meine vergangenheit.
ruhe in frieden oma: theresia (resi) erleshofer † 04.10.2007 (23:00)

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{ 3 } Trackbacks

  1. ich? @ /faden | Sonntag, Januar - 20 - 2008 at 1:27:48 | Permalink

    [...] Blog und die damit verbundene Arbeit das schreiben und die Texte möchte ich meiner Oma widmen die leider im Oktober 2007 verstorben [...]

  2. paradigma 1 @ /faden | Freitag, April - 11 - 2008 at 5:06:58 | Permalink

    [...] soweit wie möglich nicht so zu sein. allerdings sich nur sorgen zu machen über sachen die man nicht ändern kann, ist auch keine lösung für den gordischen knoten. wahrscheinlich geht man als mensch [...]

  3. mutter @ /faden | Samstag, Oktober - 4 - 2008 at 10:47:00 | Permalink

    [...] Meine Mutter ist [...]

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